Die Duellregeln 2006(1) | Wir sehen ein: | Theater kostet Geld. | | Wir verstehen: | Theater kostet zu viel Geld. | | Wir haben kapiert: | Theater kostet so viel Geld, dass nicht mehr genug da ist an Geld. | | Wir folgern: | Es gibt zu viel Theater in Leipzig. | | Wir schließen: | Es soll zukünftig nur noch ein Theater geben in Leipzig. | | Wir rufen deshalb auf: | Zum regieduell. |
(2) Innerhalb der nächsten Jahre soll durch K.O.-System dasjenige Theater ermittelt werden, das es verdient, Imageträger derStadt Leipzig in Sachen Theaterkunst zu sein.Dafür soll in der Vorrunde zunächst ein Vertreter der freien Szene ermittelt werden, der im Finale gegen das SchauspielhausLeipzig antreten kann.Sollte sich diese Idee als praktikabel erweisen, ist es das Fernziel, schrittweise ein sächsisches, deutsches, europäisches undletztlich weltweites Theater zu küren.
(3) Ausgetragen wird die vierte Runde: August 2006. Bearbeitet wird: Aristophanes, "Die Vögel". Neutraler Begegnungsort ist: Substanz
(4) Gekämpft wird nach folgenden Regeln.
1 Das Stück 1.1 Bearbeitet wird von beiden Regisseuren dasselbe Stück. 1.2 Die Wahl des Stückes ist dem Herausforderer überlassen worden. 1.3 Das Stück wird bearbeitet für eine Freilichtaufführung. 1.4 Das Stück sollte dem Genre Sommertheater zuzuordnen sein. 1.5 Das Stück sollte ein möglichst breites Publikum ansprechen. 1.6 Das Stück sollte trotzdem nicht inhaltsleer sein. 1.7 Das Stück sollte Interpretationsraum für mindestens 2 Lesarten zulassen. 1.8 Das Stück sollte nicht "Ein Sommernachtstraum" von William Shakespeare sein.
2 Die Produktionen 2.1 Die beiden Produktionen werden nacheinander mit wechselndem Beginner aufgeführt. 2.2 Die Dauer einer Produktion darf die Länge von einer Stunde nicht überschreiten. 2.3 Die Umbauszeit von einer Produktion zur nächsten darf die Dauer von 15 min nicht überschreiten. 2.4 An einer Aufführung dürfen nicht mehr als 9 Schauspieler beteiligt sein. 2.5 Eine Gage darf keiner der Beteiligten verlangen. 2.6 Eingedenk des Sparkurses der Stadt Leipzig steht für die Materialkosten der Produktionen im Prinzip kein Budget zurVerfügung. 2.7 In Ausnahmefällen dennoch auftretende Materialkosten müssen durch Zuschauereinnahmen gedeckt sein und werden nach3.3e negativ bewertet. 2.8 Die Kontrahenten sind verpflichtet, der Jury eine Finanzabrechung ihres Projektes vorzulegen.
3 Die Jury 3.1 Eine unabhängige Jury wird am letzten Aufführungstag des regieduells eine endgültige Entscheidung treffen. 3.2 Die Mitglieder der Jury sind aus folgenden Bereichen zu wählen: a) 2 Vertreter Leipziger Printmedien b) 1 Vertreter eines Leipziger Hörfunksenders oder einer Hochschule c) 1 Vertreter der freien Theaterszene Leipzig oder der Wirtschaft d) 1 Vertreter des Schauspielhauses Leipzig e) 1 Vertreter des Kulturausschusses der Stadt Leipzig f) 1 Vertreter des Publikums
3.3 Bewertet wird nach folgenden Kriterien a) finanzieller Gewinn b) ästhetischer Gesamteindruck c) Regie d) Schauspiel e) Bühnenbild, Kostüm, Licht und Ton f) Preis-Leistungsverhältnis g) inhaltliche Tiefe, Kreativität und Bezug zur Vorlage h) Unterhaltungswert i) Aktualität/Zeitbezogenheit
3.4 Die Jury verpflichtet sich nach Möglichkeit nach bestem Wissen und Gewissen zu entscheiden. Bestechungsgelder dürfen entgegengenommen werden, müssen jedoch im jeweiligen Finanzplan abgerechnet sein.
4 Konsequenzen, Gewinn und Verlust 4.1 Der Verein, der das regieduell in einem Jahr gewinnt, darf sich ein Jahr lang als Inhaber der künstlerischenAllwissenheit im Bereich Theater in Leipzig bezeichnen und im Folgejahr zum Duell bitten. Sollte er dies nicht tun, so ist von der theaterbaustelle ein geeigneter Ersatz zu bestellen. 4.2 Der endgültige Sieger im Wettstreit gegen das Schauspielhaus darf sich als Inhaber des Theatermonopols in Leipzig bezeichnen und ist für die Ewigkeit unanfechtbar. 4.3 Alle anderen Theater verpflichten sich, zukünftig für das Gemeinwohl nützlicheren Tätigkeiten nachzugehen und von dem Anspruch, die kulturelle Vielfalt in Leipzig stärken zu wollen, abzusehen.
 die theaterbaustelle |
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