Artikel zur Aufführung
von Toteau und der Autodieb
LVZ vom 08/09.07.2006.
Von Kendra Reinhardt.
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Stückwerk 2
Verzweifelte Sicht auf Beziehungsunfälle
(LVZ, 08/09.07.2006)
Toteau steht mit beiden Beinen im roten Sitzkissen, will sich freistrampeln und bleibt
doch immer in der unförmigen Masse gefangen. Die junge Frau in "Toteau und der Autodieb"
steht am Ende ihrer Beziehung zu Joe. Nun lässt sie ihre Männer Revue passieren und
stolpert noch einmal in die Arme von Samuel, Ray und Joe. Dabei ist Toteau umzingelt
von den Zuschauern, die beinahe auf Augenhöhe auf Pappkartons hocken und ihr bei den
Beziehungsunfällen zusehen.
Die Grundstimmung in Arna Aleys Stück, das am Donnerstag im Lofft aufgeführt wurde,
oszilliert zwischen Unzufriedenheit und Verzweiflung: "Ich habe ihn verlassen, weil ich mich
nach einem Sturz gesehnt habe und einem Inhalt, auch wenn er Dreck ist." Stets Spielball
auf der immer wieder missglückten Suche nach Liebe, rächt sich Toteau schließlich willkürlich
am Familienvater Bo.
In "Toteau und der Autodieb" situieren ein minimalistisches Bühnenbild und zwei, drei Worte
die Handlung im Biergarten oder im Hotel. Maßvoll eingesetzte Musik unterstützt die Handlung.
Dennoch verschwimmen die Szenen zwischen Erinnern und Handlungsfortgang derart, dass
der Zuschauer zuweilen stutzt.
Das von Christian Müller inszenierte Stück setzt gekonnt Medien ein. Wenn die überragende
Caroline Betz als Toteau ihre erinnerten Gefühle und aktuellen Stimmungsschwankungen per
Videokamera aufnimmt und diese leicht zeitversetzt auf der Leinwand erscheinen, wird, Toteaus
Verlorensein noch plastischer und präsenter. Wenn sie ihre Wut ins - stellenweise hinzugezogenen
und effektvoll eingesetzte - Mikrofon brüllt und alles Verhasste aus ihrem Mund herauspeitscht,
wirkt ihre folgende Angepasstheit grotesk.
Das Dreipersonenstück mit sieben Rollen - Norman Pankratz stellt alle Männer dar - der inzwischen
bekannter gewordenen Litauerin Arna Aley gewann den Wettbewerb Stückwerk 2 der Theaterbaustelle.
Die Jury hat sich aus 45 eingesandten Stücken einstimmig für das Drehbuch "Toteau und der Autodieb"
entschieden. Den zweiten und dritten Platz des Uraufführungswettbewerbs gewannen die
Nachwuchsautoren Christopher Kloeble und Philipp Schulte - alle Preisträger präsentierten gestern
Abend im Lofft noch einmal ihre Werke.
Kendra Reinhardt
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