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Artikel zum kulturellen Salon
LVZ vom 30.01.2007
Von Janna Kagerer.

Der Salon ist tot, es lebe der Salon
(LVZ, 30.01.07)

Der Salon ist tot. Daher dauert die Abmoderation in der Kunst- und Bauschlosserei Artpa diesmal länger. Zum letzten Mal hat die theaterbaustelle dort am Sonntagabend in ihren monatlichen Kultursalon geladen. Da gilt es, all die regelmäßigen Teilnehmer und Helfer mit Dank zu verabschieden. Katharina Horn vergisst auch Teddy und Salon-Maskottchen Tadeuz nicht, der ihren zehn Monate dauernden Polenbesuch miterleben durfte. "Tadeuz spricht jetzt fließend polnisch", bemerkt die charismatische Moderatorin mit einem Lächeln.

Dass die letzte Ausgabe der Kleinkunstveranstaltung zum zweiten Mal Polen als Motto hat, ist also naheliegend: Zu Schmalzschnitte und Co. wird ein buntes Kulturprogramm zum Nachbarland serviert. Autor Jörg Jacob stellt in eigner Kurzprosa seine Eindrücke von Krakau vor. Muriel Zibulla und Rainer Mende lesen slampoetisch, simultan und zweisprachig aus dem polnischen Kultroman "Schneeweiß und Russenrot" vor. Beindruckende Fotos einer Polenreise von Christian Dietz laufen als Diashow-Schleife, und werden von Fantasy-Animationen des polnischen Filmtüftlers Tomek Baginski abgelöst. Die Band Montag improvisiert Blues. Und Gunter Röhring erfüllt seinen selbst gewählten Job aus, dem Salon einen skurrilen Anstrich zu verpassen - so wie er es bei früheren Folgen der Serie mit Überschriften wie "Phantomschmerzen" , "Gallertartigen Massen" und "Ab in den Süden!" getan hat. Bei "Polen 2" zitiert er spöttelnd das deutschtümelnd-antipolnische Liedgut eines ominösen Martin Stonsdorf.

Es ist das Requiem für eine liebevoll präsentierte, vielseitige Reihe, die in der Schleußiger Kneipe Noch Besser Leben ihren Anfang nahm und auch in der Artpa - seit Oktober 2005 - ein gutbesuchter und beliebter Geheimtipp geblieben ist. Nach 15 Salons ist die Lust bei den Organisatoren jedoch ein wenig verpufft. Inoffiziell denkt man bei der Theaterbaustelle aber schon über eine neuen Streich nach. Wer der Serie nachtrauert, darf also hoffen. Und wer noch keine Folge erlebt hat, bekommt möglicherweise eine zweite Chance. Es lebe der Salon.


Janna Kagerer
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