Startseite
theaterbaustelle
LVZ Artikel für das Finale
vom "regieduell 2007"
Von Mark Daniel.


Gerechter Betrug
Christian Müllers "George-Dandin"-Inszenierung siegt beim Regie-Duell am Schauportal
(LVZ. 21.August 2007)

Es wird gemurmelt und gemunkelt. Das Wort "Betrug" hängt im sommertheatralen Raum. Erstaunlicherweise geben beide Kontrahenten gleich zu, dass nicht alles mit rechten Dingen zugegangen ist. 884:834 für Regisseur Christian Müller von der Theaterbaustelle, so lautet das Ergebnis des diesjährigen Regieduells. "Es wurde geschummelt, was das Zeug hielt", bestätigt der Sieger und attestiert seinem Gegner Heinrich Kus von der Kammerbühne, er sei ein hervorragender Verlier.

Beide hatten Molières "Gorge Dandin" am Schauportal des Zentralstadions inszeniert. 13 von 15 geplanten Vorstellungen ließ das Wetter zu, und am Finalabend (Sonntag) kamen 130 Zuschauer, um zu erleben, wen das Publikum und die Fachjury zum Sieger kürt. Bekanntermaßen muss der Loser geloben, nimmermehr Theater zu machen und durch Fördermittelanträge dem Kulturamt auf den Senkel zu gehen.

Heinrich Kus versprach auch gestern noch einmal, "nie wieder so einen Unfug zu machen" - ließ aber offen, ob er künftig noch größeren verzapfen will. Seine Dandin-Version war die konservative, die pure, ohne Schnickschnack. Müllers Inszenierung strotze vor Klamauk, Ideen und Gags. Keine klassischen Kostüme, viel Trash, Zigarettenkonsum auf der Bühne, wenig Inhalt - "das ist das Theater der Zukunft", orakelt Müller grinsend. "Und Drehbühnen, die sind auch ganz wichtig - da ist die Freie Szene mal wieder Vorreiter!"

Zur Abstimmung trullerten Murmeln eine Holzkonstruktion herunter und landeten mal auf der Seite von Kus und mal als Punkt für Müller. Da ging's bei den Abstimmungen gelegentlich drunter und drüber, am Finalabend soll Kus - getarnt mit übergezogenem Laken - versucht haben, den Spielstand zu drehen und für sich abzustimmen; es kam zu tumultartigen Szenen...

Wie immer gilt das zynisch-spaßhafte Regieduell als Paradebeispiel dafür, wie sinnlos es ist, den einen freien Theatermachern öffentliche Mittel zuzuteilen und den anderen zu verweigern - das Kulturamt kann's nur falsch machen in der weiten Leipziger Kulturlandschaft. Apropos Geld: Die "Dandins" funktionierten in ehrenamtlicher Arbeit, richtige Gagen gab's nicht, die Grundkosten wurden durch die Eintrittseinnahmen gedeckt.

Mit lustig ist für die Duellanten nun erst mal Schluss: Kus inszeniert für Schulen das Stück "Escape" über einen Amoklauf im Klassenzimmer. Müller geht im September für zwei Jahre als Regieassistent ans Junge Ensemble Stuttgart.


Mark Daniel
Startseite