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Der Artikel zum regieduell 2007
aus der LVZ.
Von Hendrik Pupat.

"regieduell 2007"
Betrug reiht sich an Betrug
(LVZ. 31.Juli 2007)

Eh nie ganz sauber - und jetzt auch noch Molières Intrigenkomödie "George Dandin": Das Regieduell zieht morgen ans neue Schauportal.

Ob Olympiapleite, Citytunnelpeinlichkeiten, Korruptionsskandal, Opernstreit: Die Serie unerhörter Begebenheiten reißt einfach nicht ab. Nun kam auch noch ein Skandal rund um das Regieduell ans Tageslicht. Laut Theaterbaustelle sind Akten aufgetaucht, die belegen, dass der entscheidende Münzwurf im Jahr 2003 manipuliert war. Leidtragender war damals Regisseur Christian Müller. Er hätte daraufhin gemäß des Reglements Abschied vom Theater nehmen sollen. Das tat er zwar ohnehin nicht. Dennoch bekommt er jetzt eine zweite Chance. Ab Mittwoch tritt er als Vertreter der Theaterbaustelle gegen Heinrich Kus an, der für die Kammerbühne startet.

Beide inszenieren dasselbe Stück, Molières Komödie "George Dandin oder der betrogene Ehemann", 1668 mit dem Autor in der Titelrolle uraufgeführt. Das Publikum und eine Fachjury bestimmen, welche Version das Duell gewinnt. Vordergründiger Zweck ist es, die Zahl der Fördermittelanwärter künstlich zu reduzieren, in der Hoffnung dass die Mittel dann zumindest für die Besten reichen und die Szene sich nicht weiter kannibalisieren muss. Über die wahren Ziele des Duells kann nur gemutmaßt werden, der Sachsensumpf hat sie noch nicht ausgespuckt. Es darf jedenfalls angenommen werden, dass es nicht zuletzt darum geht, gelungenes Sommertheater zu bieten, für das Besucher gern ein paar Euro abdrücken.

Wie in den Jahren zuvor, muss auch das diesjährige, fünfte Regieduell ohne Fördermittel auskommen. Wenn Wetter und Publikum mitspielen, dürfen sich die Schauspieler am Ende über 100 bis 150 Euro freuen, wohlgemerkt für vier Wochen Probe und 15 Aufführungen. Das mag okay sein für Enthusiasten, die Erfahrung sammeln wollen, nicht jedoch für die Profis in beiden Teams. Es ist, wie es ist, und das heißt auch, dass nicht immer Recht bekommt, wer Recht hat. Das muss im Stück der reiche Bauer George Dandin schmerzhaft erfahren. Er hat eine verarmte Adlige geheiratet, die ihn nach allen Regeln der Kunst betrügt und demütigt und dabei tatkräftig von ihren Eltern unterstützt wird. Betrug reiht sich an Betrug. Dem kleinen, versnobten Mann bleibt nur die Kapitulation.

Heinrich Kus, der nicht nur Regie führt, sondern auch den Dandin spielt, betrachtet das Thema Korruption als aktuellen Aufhänger, inszeniert aber mit klassischen Kostümen und barocker Musik. Dem setzt Christian Müller Ali-B-Goldketten-Style entgegen, "Oh yeah, Molière". Er provoziert Brüche, indem er die Schauspieler, professionelle Betrüger quasi, aus der Rolle fallen lässt.

Die Moderation des Regieduells übernehmen diesmal Vorjahressieger Didi Voigt und, an anderen Abenden, Sabine Wollgarten. Besondere Erwähnung verdient die Aufführungsstätte: Das neue Schauportal am der Westseite des Zentralstadions. Der Blick fällt auf das Elsterstaubecken und dramatische Wolkenformationen, im Rücken erhebt sich der Stadioneingang, der bei älteren Leipzigern angeblich noch den Namen Honeckertunnel trägt. Ein idealer Ort für weitere Ränkespiele.



Hendrik Pupat
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