Der Artikel zum regieduell
aus der FATZ.
Von Larsen Sechert.
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"das regieduell" - Exportschlager
Wir bluten in Leipzig
(Freie Amateutheater Zeitung FATZ. 2/2006, S.7.)
Die Fördertöpfe für Amateurtheater waren schon immer spärlich ausgestattet.
Jahr für Jahr wird es immer schwieriger und dürftiger bei den entsprechenden
Kommissionen, Ausschüssen und Ämtern Fördermittel zu ergattern. Die "theaterbaustelle"
machte aus dieser Not eine Tugend und initiierte 2002 "das regieduell". Die Idee,
die dahinter steckt ist folgende: Zwei Regisseure inszenieren das gleiche Stück.
Diese Stücke werden nacheinander über mehrere Wochen gespielt. Eine ausgewählte
Jury und das Publikum wählt den Sieger des Abends und ermittelt nach den letzten
Aufführungen den Gesamtsieger. Der Verlierer darf nie wieder Theater machen.
Denn Theater kostet nicht nur Geld, sondern kostet einfach zu viel Geld, so viel
Geld nämlich, dass nicht mehr genug Geld da ist. Und da es zu viel Theater in Leipzig
gibt und man die sowieso schon sehr übersichtlichen Fördergelder auch noch teilen
müsste, soll es, so die Forderung der "theaterbaustelle", nur noch ein Theater geben.
Anders ausgedrückt: "Viele hungrige Mäuler sind zu stopfen, aber in den Fördertöpfen
herrscht gähnende Leere. Das regieduell schafft Abhilfe: Zwei Theater werden mit
ihrer jeweiligen Version ein und desselben Stücks um den Sieg und damit um ihre
Existenzberechtigung (...) kämpfen."
Diese im ersten Moment sehr radikale, aber nicht ganz ernst zu nehmende Idee, birgt
reichlich unterhaltsame Ironie in sich. So darf sich der endgültige Sieger "als Inhaber
des Theatermonopols in Leipzig bezeichnen und ist für alle Ewigkeit unanfechtbar."
In der vierten Auflage des regieduells sind es die inszenieren "Vögel" von Aristophanes
die über sein-oder-nicht-sein entscheiden. Dietmar Voigt riskiert für die theaterbaustelle
und Christian Hanisch für die Connewitzer Cammerspiele Kopf und Kragen. Wer gewinnt
"darf sich ein Jahr lang als Inhaber der künstlerischen Allwissenheit im Bereich Theater
in Leipzig bezeichnen". Der Verlierer ist als "Fördermittelparasit" entlarvt und
verpflichtet sich "zukünfitig für das Gemeinwohl nützlicheren Tätigkeiten nachzugehen
und vom Anspruch, die kulturelle Vielfalt in Leipzig stärken zu wollen, abzusehen."
So die Regeln des regieduells, die aber auch darauf hinweisen, dass Bestechungsgelder
entgegengenommen werden dürfen.
Bisher sind erst drei Theater, bzw. Regisseure stillgelegt. Daher wird im Programmheft
zu einem Erweiterungsgesuch zur bundesdeutschen Ausrottung zweitklassiger OFF-Theater
gebeten. Wer diese originelle und innovative Idee auch in andere Städte exportieren will
meldet sich einfach bei der "theaterbaustelle".
Larsen Sechert
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