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die Leipziger Volkszeitung vom 28. Januar 2003 über Worte zu Nacht

Im Hörspiel findet das Über-Ich bittere "Worte zur Nacht"

Ein Zwiegespräch. Offen, zerfleischend. Am Tisch sitzt eine verletzte, eine schwache Seele. Mit am Tisch: Einsamkeit, Angst, verkrampfte Illusion: "Ich hab doch alles". Vom Band erklingt das Über-Ich, mal der Zyniker, hart, schonungslos, spöttisch; dann wieder voller Mitgefühl. Ein Mann seziert sein Leben: Sein großer Traum ist gescheitert. Nichts mehr übrig von dem, woran er sich klammerte. "Ich bin krank", sagt er. "Ja", wird das andere Ich später nicken, "Du bist krank."

Im Hörspiel "Worte zur Nacht", am Montag in der Moritzbastei live von Carsten Wilhelm vorgetragen, zeichnet Autor Mario Keipert den Weg eines nur scheinbar erfolgreichen Mannes nach. Was genau schief lief, weiß der eigentlich nicht. Jeglicher Ausweg ist verbaut, weil er niemals über seinen Schatten springen wird - oder "gleich darauf wieder im Schatten steht."

Dazu mixt Keipert dezent blubbernde Soundcollagen, Geräuschfetzen und Musikfragmente. Dieser düsteren Atmosphäre und der Spannung des Zwiegespräches können sich die knapp 50 Zuhörer nicht entziehen.

"Das ist natürlich auch Selbstreflexion", charakterisiert der Leipziger Jungautor seine zweite Hörspielproduktion. "Bei den Aufnahmen habe ich erlebt, was dieser Mensch beschreibt." Versunken in die Aufgabe, holt einen die Einsamkeit ein. Der 24-jährige Theaterstudent arbeitet bei der Theaterbaustelle und Mephisto 97,6; übernimmt demnächst eine Regieassistenz in Dresden. Ein Tausendsassa, pendelnd zwischen Schreibmaschine, Bühne und Studio. Hörspiele sind für ihn ein "Gegenentwurf zum Theater. Intimer. Näher am Publikum." Und "ambivalent" sollen die Texte sein, "sich nicht selbst bis zum Letzten erklären."


Frank Hommel

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