| LVZ vom 03.Mai 2004 über stückwerk I
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Ein guter Vorrat an Resignation als Wegzehrung
Gelungene Arbeiten des Dramatikwettbewerbs "Stückwerk 1" feierten in der naTo Premiere
Offene Dramaturgie gegen den Mainstream. Den Umbau des Theaters im Visier, ehrten die Mitglieder der Theaterbaustelle den Sieger ihres ersten Dramatikwettbewerbs "Stückwerk I". Danach stieg die Uraufführung in der naTo - "Welt All Tag" von Oliver Schmaering erfüllte die hohen Erwartungen der Jury. BaustellenRegisseur Johan Heß hat den Gewinnertext mit eigener Truppe in Szene gesetzt. Durchgängig flimmern Fußballspieler über einen Fernsehbildschirm. Heß geht bedächtig vor; sparsam setzt er Videoprojektionen vom Bühnengeschehen ein.
Der Autor hebt vier Paarkonstellationen ins Scheinwerferlicht. Da sind Mutter und Sohn, zwei ehemalige Freunde, ein Medienwissenschaftler und seine Assistentin, schließlich der Präsident und sein treuer General. Alle machen sich oder dem Gegenüber etwas vor, lügen oder erwidern Gefühle nicht. Ein Meteor, ein überirdischer Terrorist, droht auf die Erde zu stürzen, verlangt eine Sondersendung über Philosoph Schopenhauer. Bei über 40 Prozent Einschaltquote will er abdrehen, sinkt die Zuschauerquote darunter, gibt's keine Rettung. Das Soll wird nicht erfüllt.
Nach der Katastrophe kommt die Inszenierung an ihren stärksten Punkt. Die offene Dramaturgie löst sich vollends auf. Die Spieler stehen in Reihen zu beiden Seiten der Zuschauer, zwei auf der Bühne, Blaulicht wirkt kalt. Im gleichen Rhythmus wiederholen sie Sätze und einzelne Worte aus den Szenen des Stückes. "Wichtig ist ein guter Vorrat an Resignation als Wegzehrung für die Lebensreise", sagt der Meteor.
"Johan Heß hat das Stück psychologischer und politischer gelesen, als ich es geschrieben habe", meint der Berliner Oliver Schmaering. Das Ergebnis habe ihn angenehm überrascht.
Von den zehn Manuskripten, die zum Wettbewerb eingesandt wurden, erhielten zwei weitere eine Auszeichnung. In einer Lesung wurden beide vorgestellt. Susanna Mewe brachte ihr Psychodrama "Morgenstern/Abendstern" selbst auf die Bühne. Ein Mann am Pult liest die Regieanweisungen, szenische Gesten setzen die Spielenden sparsam ein. Die Geschichte lebt allein von der Kraft der Worte. Mit geschlossenen Augen wird die Lesung zum Hörspiel.
Frank Conrad konstruierte "Ostwind" als Parallelmontage, Christian Müller führte bei der Lesung Regie. Eine Frau und ein Mann monologisieren, bis ihre Geschichten zusammenfließen - sehr gelungen!
Drei unterschiedliche, kraftvolle Stücke also, spannende Neuentdeckungen als Abkömmlinge einer lebendigen jungen Dramatik.  Preiswürdig: die ausgezeichneten Stückeschreiber Oliver Schmaering (Sieger, 1.), Susanna Mewe(2.), Frank Conrad (3.).
Christina Dirlich
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