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Leipziger Volkszeitung vom 15. März 2003 über Mutmaßungen über K

Absorbiert von 1000 Nichtigkeiten

Wenn's mal wieder länger dauert. Herr K. (Wolfgang Müller-Schauenburg) schlägt vor einer grässlichen Geräuschkulisse die Zeit tot und sinnt nebenbei der gefälligen Form von Bananen nach. Nach dieser zehnminütigen Gewährung einer Eingewöhnung in den ebenso lärmenden wie trüben Leerlauf des K. stellt dieser endlich das Corpus delicti auf den Tisch: ein Tonbandgerät. Der Versuch, das Band zu besprechen, bleibt allerdings erfolglos.
Mutmaßungen über K

Später stellt sich derselbe Mann - ein verträglicher Typ mit sanfter Stimme - im zeitgemäßen Outfit seinen Partygästen (dem Publikum) als 60-jähriger Autor vor: Er habe sein Glück gemacht damit, eigene Tonbandaufnahmen aus zurückliegenden Jahrzehnten zu Papier zu bringen und in Buchform zu vermarkten. So plaudert er aus seinem Leben, dem ewigen Grundstock, der nie versiegenden Quelle seiner zu Ruhm gekommenen aphoristischen Betrachtungen. Und will uns klar machen, dass er seit damals, als er noch Bananen futterte, ein anderer geworden ist. Gott sei Dank, denkt man an den Brechtschen Herrn K., der sich im Gegensatz dazu gar nicht verändert hatte "und erbleichte".

Im UT Connewitz nun lässt Regisseur Johan Heß Rückblenden schalten zu seinem Herrn K. von damals, doch das emsiges Wuseln zwischen Tonbandgerät und Schnapsflasche lässt sich schwerlich deuten. Er habe, so heißt es, eine entfernte Verwandtschaft mit einer Beckettschen Figur; wie jene kommt er, von 1000 Nichtigkeiten absorbiert, nicht zu Stuhle - ja, womit auch? Darauf kann sich der Zuschauer keinen rechten Reim machen.

Beckett und doch nicht Beckett, ein bisschen zu seicht und uneigenwillig; K.'s nonchalant hingeworfenes "anyway" - nun gut, wie auch immer - hilft ebenfalls nicht darüber hinweg, dass der Inszenierung irgendwie der konkrete Zielpunkt fehlt.


Juliane Lochner

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