Der Artikel zum regieduell 2006
LVZ vom 29.08.2006.
Von Hendrik Pupat.
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Regie-Duell
Theaterbaustelle vor den Cammerspielen
(LVZ, 29.08.2006, S.8)
Sonntagabend, die Regenwahrscheinlichkeit ist hoch, der Verschleiß an Sitzfleisch groß
das Angebot scheinbar unattraktiv. Auf dem Programm steht zweimal hintereinander dasselbe
Stück, wenn auch in verschiedenen Inszenierungen: "Die Vögel", eine steinalte, anarchische
Komödie von Aristophanes. Den widrigen Bedingungen zum Trotz ist der Garten hinter der "Substanz"
im Täubchenweg bis auf den letzten Platz gefüllt. Gut 100 Besucher wollen das Finale des
Regie-Duells der Theaterbaustelle erleben, Sommertheater im kulturpolitischen Hintersinn.
Wer verliert, soll Publikum und Fördertöpfe künftig nicht mehr mit seinen Kulturambitionen
belasten.
Gegeneinander treten an: Titelverteidiger Dietmar Voigt (Theaterbaustelle), seit 1953 auf der
Weltbühne aktiv, und Nachwuchshoffnung Christian Hanisch (Connewitzer Cammerspiele),
Jahrgang 1977. Beide bringen die Story vom Wolkenkuckucksheim, das den irdischen Opfergaben
den Weg zu den Göttern versperrt, spritzig und ideenreich aud die Bretter, wobei die Blasphemie
in Voigts Version dem Himmel offenbar zu weit geht: Kurz vor Schluss - die Vögel haben grade
lautstark ihren Anspruch auf Göttergleichheit skandiert - folgt auf drohende Blitze Sturzregen.
Das Publikum bleibt stark, gewöhnt sich an nasse Holzbänke und sogar an den schroffen Charme
von Moderator Gunter Röhring, der an diesem Abend in Hochform ist.
Liegt's an der späten Stunde oder an inszenatorischen Schwächen? Hanischs Version gewinnt
nicht so recht an Fahrt. Erleichterung als gegen Mitternacht ein Förster auftritt und dem
Viecherklamauk mit der Pistole ein Ende bereitet. Das Publikum stimmt per Wunderkerze
knapp für Voigts Team ab. Die Jury goutiert zwar Bestechungsversuche der Cammerspiele, entscheidet
sich aber ebenfalls mehrheitlich für die Theaterbaustelle. Man kann sagen: Die reifere
Inszenierung siegte verdient mit 13 zu 7 für Voigt.
Mit elf Vorstellungen hat das Regie-Duell diesmal über 600 Besucher erreicht. Und es soll
weiter gehen, bis zum interstellaren Finale in ferner Zukunft. Zieht euch warm an Borg, Didi kommt.
Hendrik Pupat
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