| die Leipziger Volkszeitung vom 6. August 2004 über das regieduell 2004
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Ein Strauß bunter Offtheater-Stilblüten
Auftakt für das "Regieduell", es führt: Dietmar Voigt
Wer dieser Tage in Leipzig ins Theater will, hat die Auswahl zwischen Goldoni und Goldoni, zwischen theaterbaustelle und Schauspiel Leipzig. Der venezianische Jurist gehört hier zu den seit Jahren meistgespielten Stückeschreibern, warum auch immer.
Der Goldoni-Abend der theaterbaustelle bietet im Volkshaus-Garten gleich zwei Inszenierungen des selben Stücks, und das zum Preis von einer. Die Logik des zum dritten Mal stattfindenden "Regieduells scheint einfach: Jedes Jahr treten zwei freie Gruppen gegeneinander an. Wer verliert, verabschiedet sich vom Theater, macht den Verbliebenen somit keine Fördergelder mehr streitig.
Der Besucherandrang ist meist riesig, die Stimmung gut. Doch auch diesmal gilt: Die Inszenierungen sind eher mau. Janna Kagerer inszeniert Goldonis "Der Impresario von Smyrna" als Casting á la DSDS. Sketchartig führt sie einen hoffnungslosen Fall nach dem anderen vor; unterbrochen von einer Stripperin und einem Hamlet-Vorsprecher, die sich im Raum geirrt haben. Die Regisseurin kommt mit drei Schauspielerinnen aus, bemüht sich um eine klare, reduzierte Ästhetik. Was das Premierenpublikum am Mittwoch allerdings nicht würdigt.
Dietmar Voigt vom Theatrium dagegen geht kein Risiko ein und bläht auf, wo immer möglich: permanente Musikbeschallung, Trillerpfeifen, Herumgerenne, Trampolinspiele, Stelzenlauf; der Kastaniengarten erstrahlt farbenfroh,
Wasser spritzt. Ist das noch Theater oder schon Gauklerfest? Sicher: die Schauspieler sind hochmotiviert, das Tempo ist mitreißend. Aber verdeckt der "Strauß bunter Offtheater-Stilblüten", wie es bei Voigt auf der Bühne heißt, ihren ernsten Kern nicht allzu sehr?
Die glücklichste Inszenierung ist das "Regieduell" selbst, eine Farce, die gekonnt aufzeigt, welcher Irrsinn die Kulturdebatten derzeit beherrscht.
Hendrik Pupat
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