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die Leipziger Volkszeitung vom 11. August 2003 über das regie\duell 2003

Dubioser Münzwurf hinterm Volkshaus



Das Regie-Duell zwischen Theater-Baustelle und Machtfaktor Neu ist entschieden: Mit einem hauchdünnen 30:29 siegte Mario Keiperts Baustellen-Inszenierung im augenzwinkernden Kampf um die wenigen restlichen städtischen Fördergelder. Beide Off-Vereine zeigten ihre Version von Federico Garcia Lorcas "In seinem Garten liebt Don Perimplín Belisa" open air hinterm Volkshaus. Wie im Vorjahr entschied erst der Münzwurf - damals zugunsten des Transit e.V. im Aufeinandertreffen mit der Theater-Baustelle. BÜHNE sprach mit Regisseur Keipert.

Wie lange habt Ihr den Abschluss des Duells gefeiert?

Mario Keipert: Bis früh um sechs, natürlich Sieger und Verlierer gemeinsam. Insgesamt sind wir sehr zufrieden - zu den 13 Vorstellungen kamen 750 Leute.

Wieder musste die Münze entscheiden - ist doch seltsam ...

Naja, wir haben in den zwei Wochen Regie-Duell die Angelegenheit ganz selten ein klitzekleines bisschen gesteuert. Aber das Publikum hat wirklich oft ausgeglichen votiert. Außerdem entwickelt sich der Münzwurf zu einer Tradition. Und Traditionen sind doch was Feines.

Ist der Münzwurf auch eine gute Methode zur Fördermittelvergabe?

Da müsste das Kulturamt mal drüber nachdenken. Aber ich denke schon, dass die Skrupel, sich solcher Mittel zu bedienen, zu groß wären.

Wieviel städtische Fördermittel hat die Theater-Baustelle bekommen?

Keine. Es hätte 500 Euro Projektgelder bei einem Fehlbetrag gegeben. Wir hatten aber keine roten Zahlen - deswegen bekamen wir vor einer Woche die Nachricht, dass uns das Geld wieder gestrichen wurde.

Also zu gut gewirtschaftet.

Ja, leider. Die Leute vom Kulturamt hätten uns das Geld auch gern gegeben, weil ihnen die Idee des Regie-Duells gefallen hat.

Wann fordert Ihr Wolfgang Engel und das Schauspiel Leipzig heraus?

Das dauert noch. Erst muss sich das Regie-Duell in der Szene etablieren. Alle müssen sich duelliert haben, damit der geeignete Vertreter ermittelt ist.

Gibt's im nächsten Jahr wieder einen Wettkampf?

Ja, allerdings ohne mich. Ich habe für ein Jahr eine Stelle als Regieassistent am Dresdner Theater in der Fabrik. Eine Rückkehr nach Leipzig ist danach aber sehr wahrscheinlich.

Wie sieht Leipzigs Off-Szene in zehn Jahren aus?

Ein paar Theatermacher werden institutionell gefördert, der Rest wird wohl eingehen. Zumal Studenten und anderen Interessierten zusehends das Geld fehlt, um nebenbei Theaterprojekte zu betreiben.

Wieviel Humor muss man als freier Theatermacher haben?

Unmengen. Der Humor muss quasi das fehlende Geld ersetzen. Und man braucht eine gewisse Gelassenheit im Existenzkampf.

Wann geht's nach Dresden?

Heute - ich fahre gleich los.

Interview: Mark Daniel

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