die Leipziger Volkszeitung vom 23. Februar 2006 über
Offene Zweierbeziehung
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"Offene Zweierbeziehung" spielt mit Szenen einer modernen Ehe
Um eins vorweg zu klären: eine offene Zweierbeziehung darf nur nach einer Seite offen sein -
grundsätzlich nach der des Mannes. Öffnet Die Frau jedoch ihre Seite, sucht sie amouröse, außereheliche
Erfahrungen, entsteht Durchzug. Kurz: der Mann dreht durch. Bis es jedoch im Theater soweit ist, haben die
Zuschauer eine Stunde Spaß gehabt an dem Beziehungsknatsch in der
"Offenen Zweierbeziehung" Am Wochenende gastierte das Lübecker Theater "Pas de deux" in den Connewitzer
Cammerspielen mit dieser Farce von Dario Fo und Franca Rame.
Vorhang auf: ein Ehepaar der 68er Generation in seiner Wohnung. Sie haben sich nicht mehr viel zu sagen,
der Alltag hat sie mürbe gemacht. Da beschließen sie, ganz im Zeitgeist ihrer Generation, eine offene Beziehung
zu führen: "Die Ehe ist doch ein alter Zopf." Schnell arrangiert der Mann sich damit, sucht neue, intime
Be(s)tätigungsfelder bei "jungen Dingern". Ihr fällt es schwerer, sich mit der neuen Situation anzufreunden.
Sie flieht in die mannigfaltigen Möglichkeiten des Selbstmordversuches: Pillen, Revolver, Fenstersturz...
Doch dann dreht sie den Spieß um. "Schluss mit dem häuslichen Märtyrerleben!", sagt sie sich und sucht einen
reichen, schönen, intelligenten, jungen Mann. Jetzt erst wird ihm die Lage bewusst: "Ich bin ein typischer
Männerarsch!" Und als alle Beteuerungen nichts nützen, entdeckt er für sich den Fenstersprung, den Revolver
und den Fön in der Badewanne.
Herrlich anzusehen, wie Silvia Zibulla und Wilfried Kahl sich die Bälle zuspielen. Vor allem verhaltene
Gesten, aber auch komödiantische Grimassen amüsieren, ohne dabei übertrieben oder aufgesetzt zu wirken.
Jedes Wort, jede Miene zum bösen Spiel beleben eine wahre, noch immer aktuelle Komödie über die Szenen einer
Ehe. Schwächen zeigen sich lediglich, wenn die beiden aus ihren Rollen aussteigen, die Ebenen aufbrechen, nach
dem Motto: "Das hast du gestern aber anders gespielt!" Ansonsten führt Regisseur Torsten Haberjoh seine
Darsteller rasant über die Bühne, mit wunderbarem Spielwitz und viel Tempo. Das mit 40 Zuschauern volle
Wohnzimmertheater ist begeistert.
Thomas Junk
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