| die Leipziger Volkszeitung vom 24. August 2004 über das regieduell 2004
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"Wir hoffen, dass das Publikum sensibler wird"
Münzwurf entscheidet Regie-Duell - Voigt, Kagerer und Heß ziehen im Interview Bilanz
Darsteller dopen sich mit geistigen Getränken, bestechen Publikum wie Jury mit Schoko-Talern und laufen auf der Bühne zu Hochform auf; dazu ein Moderator, der an souveräner Verpeiltheit nichts zu wünschen übrig lässt: Mit einem Showdown sondergleichen endete Sonntag das "RegieDuell 2004". Am Schluss liegt das Team von Dietmar Voigt (Theatrium) mit drei Punkten vorn. Regelverstöße (zu lang, zu viele Akteure) führen jedoch zu Abzügen. Das Team von Janna Kagerer dagegen erhält einen Bonuspunkt für besondere Sparsamkeit. Gleichstand! Letztlich fällt die Münze zugunsten von Voigts Inszenierung, der aufgedrehteren Variante von Goldonis "Der Impresario von Smyrna". Im Gespräch mit Hendrik Pupat rekapitulieren die Regisseure und Organisator Johan Heß (Theaterbaustelle) die Ereignisse.
Frage: Janna Kagerer trat für den Titelverteidiger Theaterbaustelle an und verlor. Ist die Theaterbaustelle nun Geschichte?
Johan Heß: Janna hat verloren, aber ob das alles mit rechten Dingen zuging? Ich würde da keine vorschnellen Urteile fällen! Ob die Regeln tatsächlich verlangen, dass wir uns auflösen müssen, werden wir durch unsere Rechtsanwälte prüfen lassen. Dies wird sich sicher drei, vier Jahre hinziehen.
Frau Kagerer, es kursiert das Gerücht, Sie würden jetzt Friseuse?
Janna Kagerer: Das stimmt nicht! Entweder werde ich Pizzabäckerin oder ich trete bei Olympia 2012 als Schwimmerin an. Denn das habe ich jetzt geübt. (Anm.: die Verliererin nahm ein unfreiwilliges Bad im Planschbecken.) Außerdem ist Franzi Fünfte geworden, ich Zweite.
Und was, Herr Voigt, ändert sich am Theatrium?
Dietmar Voigt: Nichts.
Es regnet also weiterhin rein?
Nein. Vielleicht haben wir dank des Regie-Duells ja jetzt ein paar Fans und Zuschauer mehr.
Leipzig hat ein Verteilungsproblem: Zu viele Kulturschaffende wollen ein Stück vom zu kleinen Förderkuchen. Konnte das Duell seit 2002 daran etwas bessern?
Heß: Ich fürchte fast, nein. Wenn es dieses Jahr wieder darum geht, wo Gelder eingespart werden, wird es laufen wie in den vergangenen Jahren. Wir hoffen aber, dass das Publikum etwas sensibler wird. Jedenfalls kommen die Leute gern zum RegieDuell. Ob jedoch alle die Ernsthaftigkeit sehen, die dahinter steckt, kann ich schwer einschätzen.
Das Kulturamt ist nicht der Bösewicht
Laut dem nicht ganz ernst gemeinten Duell-Reglement ist finanzieller Gewinn oberstes Bewertungskriterium. Früher habt ihr darüber hinaus für das bedürftige Kulturamt gesammelt.
Heß: Wir haben damals 360 Euro zusammenbekommen. Die haben wir dem Kulturamt gegeben; das Amt hat sie ans Theatrium weitergereicht; das Theatrium wollte unser Geld aber nicht. Wie die Sache ausgegangen ist, weiß ich nicht. Nächstes Jahr lohnt sich das Sammeln wahrscheinlich erst recht. Da werden wir das gestrichene Geld wieder hereinholen!
Voigt: Das Gruselige ist ja, dass der Zuwendungsbescheid der Stadt erst im März oder April kommt. Bis dahin arbeitet man schon ein Vierteljahr - eigentlich ohne es zu dürfen: Man weiß ja nicht, wie viel Geld man wirklich kriegt.
Das Kulturamt steht beim Regie-Duell als Bösewicht da ...
Heß: Das Kulturamt ist nicht der Bösewicht. Doch dort müssen wir die Förderung beantragen, insofern ist es die erste Beschwerdeanlaufstelle.
Voigt: Ich habe selbst dort gearbeitet: Es sind Prügelknaben. Sie führen nur aus, was die Politik beschließt.
Heß: Ich habe den Eindruck, dass das Kulturamt dem Regie-Duell sogar positiv gegenübersteht. Amtsleiterin Susanne Kucharski-Huniat hätte ja an der Jury teilgenommen, wäre sie nicht krank geworden.
Obwohl sie nie städtische Förderung erhalten hat, wird die Theaterbaustelle fünf Jahre alt. Wie feiert ihr?
Heß: Wir treffen uns im "Noch besser leben" in Schleußig. Wer mitfeiern möchte, ist herzlich eingeladen! Allerdings muss jeder einen kulturellen Beitrag leisten, zum Beispiel ein Gedicht aufsagen, ein Lied singen oder eine Oper spielen. Das wird am 9. November sein, dem Gründungsdatum.
Das Regie-Duell findet auch 2005 statt?
Höchstwahrscheinlich. Es wäre doch schade, jetzt damit aufzuhören!
Interview: Hendrik Pupat
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