Startseite
theaterbaustelle
die Leipziger Volkszeitung vom 4. August 2004 über das regieduell 2004

Die Waffe heißt Carlo Goldoni

Heute beginnt 3. Regie-Duell im Volkshaus-Garten

Die Probenarbeit im Freien steht ihnen ins Gesicht geschrieben. Wegen fehlender Sonnenschutzfaktoren liegt ein Rotstich auf der Haut der Kontrahenten. Abkühlung ist nur den Spielern der Theatrium-Inszenierung vergönnt: Zum Finale des "Impresario von Smyrna" dürfen alle im Mini-Becken planschen. Das Goldoni-Stück ist Vorlage des Regie-Duells, zum dritten Mal initiiert von der Theater-Baustelle mit dem (nicht ganz ernst gemeinten) Ansinnen, die Truppe mit der schwächeren Produktion aus dem Kreis der Finanzförderungswürdigen zu kicken. Premiere ist heute im Garten hinterm Volkshaus.

Die Kreativ-Knarren geladen haben diesmal Dietmar Voigt fürs Theatrium und Janna Kagerer - sonst Regisseurin für die Connewitzer Cammerspiele, nun außer der Reihe für Vorjahressieger Theater-Baustelle. Alter Hase gegen Fast­noch-Frischling und zwei verschiedene Lesarten der Komödie um blasierte Künstler, die einen Schauspiel-Auftrag am Hof eines geheimnisvollen Türken zu ergattern hoffen. Kagerer liefert in ihrem Einstünder ein Casting­Procedere - alle Bewerber haben denselben Satz zu sprechen und zum selben Song zu tanzen. Die Regisseurin setzt aufs Non-Verbale.

Trotzdem können Besucher sicher sein, nach der Vorstellung zwei Sätze mit in den Schlaf zu nehmen: "Das Grausen kann einen packen, wenn man so etwas hört" und "If you want and you can't, you can think it over".

Dietmar Voigt bietet acht Akteure auf, allein drei Ex-Gesichter vom Theater Fact: Marius Tust, Tom Seidel, Stefan Haschke. Das Regie-Duell wird beim Theatrium-Chef zum Vehikel, um den Futterneid innerhalb der Leipziger Off-Kultur anzupinkeln. Schlaubühne gegen Theater Fuck gegen Pinselbühne gegen Phonetisches Theater. Für den, der die Voraufführung des Regie-Duells sah, steht der Sieger fest. Nur im wahren Kampf da draußen ist noch alles offen.

Mark Daniel

Startseite